Wal timmy verlässt poel: endlich alltag für besorgte anwohner

Kirchdorf auf Poel atmet auf: Nach 29 Tagen, die das Leben der Inselbewohner gehörig durcheinandergebracht haben, ist der Buckelwal Timmy auf dem Weg in die Nordsee verschwunden. Ein ungewöhnliches Kapitel in der Geschichte des kleinen Ortes geht dem Ende entgegen, doch die Erinnerungen an den unerwarteten Gast werden so schnell niemand vergessen.

Die erleichterung steht im vordergrund

Für viele Anwohner ist es vor allem die Rückkehr zur Normalität, die zählt. „Dadurch war ja ganz Poel dicht“, berichtet Peter Richter, 80-jähriger Neuklosteraner, der sich die Aufregung um Timmy alles andere als erträglich fand. Besonders der tägliche Ausweiskontroll-Marathon auf dem Weg zur Bootshalle ärgerte ihn: „Nee, das war nicht schön.“ Der Trubel, die Menschenmassen und die Demonstranten, die Zäune umrissen und über Felder liefen, überforderten den kleinen Küstenort.

Richter betont, dass der Wal selbst ihm nichts ausgemacht habe, sondern vielmehr die Begleiterscheinungen. „Der Wal hat uns theoretisch ja gar nicht gestört“, so Richter. Doch die Situation eskalierte schnell, als sich Interessierte und Aktivisten versammelten und den Ort in einen Ausnahmezustand verwandelten.

Ein „dummer spaß“ und fischbrötchen-kontroversen

Ein „dummer spaß“ und fischbrötchen-kontroversen

Auch Kathrin Anders, die im Hafen Pommes und Fischbrötchen verkauft, blickt zurück auf eine „schon stressige“ Woche. Die Absperrungen führten zu Umsatzeinbußen, doch sie relativiert: „Ist ja nicht jeden Tag so.“ Es gab aber auch unangenehme Momente, als Kunden wegen des Kaufs eines Fischbrötchens kritisiert wurden, während die Rettung des Wals im Vordergrund stand. „Das geht ein bisschen zu weit“, so Oliver Schöne, der die Situation als überzogen empfand.

Das Ehepaar Dirk und Lydie Wagner aus Hamburg konnte sich nach der Bergung des Wals endlich eine Parklücke sichern und genoss ein Fischbrötchen im Hafen. Der Rummel sei „doch recht heftig“ gewesen, räumten sie ein. Der Abschied von Timmy ist nun endgültig, und das Aufräumen hinter den Helfern der DLRG und der privaten Initiative ist fast abgeschlossen.

Die Rettungsaktion, die gegen den Rat der Wissenschaftler durchgeführt wurde, hat nun ihr Ziel erreicht. Timmy schwamm von selbst in sein transportables Wasserbett, ein Lastschiff, das ihn in Richtung Nordsee bringt. Ob dieser ungewöhnliche Fall die Diskussion um die Rettung von gestrandeten Meeressäugern neu entfachen wird, bleibt abzuwarten. Fest steht jedoch: Kirchdorf auf Poel wird die Zeit mit dem Buckelwal Timmy lange in Erinnerung behalten.