Spritpreise explodieren: 12-uhr-regel scheitert kläglich
Die Einführung der neuen 12-Uhr-Regel zur Entlastung von Autofahrern hat einen bitteren Nachgeschmack: Statt der erhofften Entlastung verzeichneten Tankstellen am Mittwoch und Donnerstag Rekordpreise für Benzin und Diesel. Experten warnen vor negativen Folgen für Verbraucher und fordern politische Antworten.
12-Uhr-regel: ein fehlschlag mit folgen
Robert Halver von der Baader Bank konstatiert: „Die 12-Uhr-Regel bringt nichts. Im Zweifel ist sie sogar kontraproduktiv.“ Auswertungen des Düsseldorf Institute for Competition Economics zeigen, dass die Preise am ersten Tag der neuen Regel teilweise sogar über dem Niveau des Vortages lagen. Besonders auffällig: Die Preisentwicklung im Tagesverlauf.
Zusätzliche Daten des ADAC bestätigen das Problem. Am Tag der Einführung erreichte Diesel im bundesweiten Durchschnitt mit 2,327 Euro je Liter ein neues Allzeithoch. Auch Super E10 verteuerte sich auf 2,129 Euro je Liter – der höchste Stand des Jahres.
Ölpreis und spritpreis entkoppeln sich
Ein Problem: Der Zusammenhang zwischen Ölpreis und Spritpreis bricht zusammen. Normalerweise sollte ein sinkender Ölpreis zu niedrigeren Preisen an der Zapfsäule führen. Doch das ist nicht der Fall. „Der Ölpreis lag am 1. April – wenn auch teilweise nur leicht – zu jedem Zeitpunkt unter dem Niveau des 31. März. Dass die Spritpreise trotzdem höher waren, zeigt, dass sie nicht nur vom Rohölpreis abhängen“, erklärt Ökonom Leonard Gregor vom Düsseldorf Institute for Competition Economics.
Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der ING, sieht den ersten Eindruck als negativ: „Die 12-Uhr-Regel wird gerade ad absurdum geführt, denn die Preissteigerungen haben nichts oder nur sehr wenig mit der Entwicklung an den Ölmärkten zu tun.“

Politik unter druck
Der Druck auf die Politik wächst. CDU-Bundestagsabgeordneter Florian Oest fordert einen Spritpreisdeckel nach polnischem Vorbild. Er plädiert für Steuererleichterungen und eine Preisobergrenze für Benzin und Diesel. Andere Länder gehen bereits weiter: In Tschechien sollen die Gewinnmargen von Ölkonzernen begrenzt und die Steuer auf Diesel gesenkt werden. Polen hat Preisobergrenzen eingeführt, in Österreich gilt seit Jahren ein ähnliches Modell. Italien versuchte zeitweise mit Steuersenkungen, die Preise zu dämpfen.
Die neue Regel scheint nicht den gewünschten Effekt zu erzielen. Stattdessen profitieren Mineralölkonzerne von der Möglichkeit, die Preise nur einmal täglich zu erhöhen. Die Folge: Für Verbraucher steigen die Kosten am Tank. Und das, obwohl der Ölpreis tendenziell sinkt. Die 12-Uhr-Regel ist ein Desaster, das die Notwendigkeit einer umfassenden Reform des Energiemarktes unterstreicht.
Robert Halver, seit über 20 Jahren am Kapitalmarkt tätig, sieht die Situation nüchtern: „Die 12-Uhr-Regel ist ein Symptom größerer Probleme.“
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