Sonnenliegen-krieg: hotels setzen auf zwang und apps

Ein absurder Wettlauf um die besten Plätze am Pool hat sich zu einem regelrechten Kampfformat entwickelt. Hotels weltweit kämpfen mit Gästen um die begehrten Sonnenliegen – und jetzt greifen sie mit neuen, oft fragwürdigen Methoden ein.

Handtuch-mafia und gerichtsverfahren: der auslöser

Der Fall eines Urlaubers aus Düsseldorf, der nach einem Urlaub auf Kos gegen seinen Reiseveranstalter vorgegangen war, hat für Aufsehen gesorgt. 400 Sonnenliegen im Fünf-Sterne-Hotel Grecotel Kos Imperial waren mit Handtüchern blockiert. Der Urlauber erhielt eine Entschädigung von rund 990 Euro – eine groteske Antwort auf seine Forderung nach einem fairen Zugang.

Dieser Vorfall hat eine Welle der Veränderung ausgelöst. Hotels setzen nun auf drastische Maßnahmen, um den morgendlichen Kampf um die Liegen zu beenden.

Neue strategien: festzuweisung und digitale kontrolle

Neue strategien: festzuweisung und digitale kontrolle

Festzuweisungen sind das neue Schlagwort. Viele Hotels geben ihren Gästen bereits bei der Ankunft ihre Liege zugeteilt – ohne zusätzliche Kosten. In Zypern, beispielsweise im St. George Beach Hotel & Spa Resort, ist dies die Regel. Das Hotel verspricht: „Wir bemühen uns, die Wünsche unserer Gäste zu erfüllen, damit jeder die Möglichkeit hat, seinen bevorzugten Platz am Pool oder am Strand zu bekommen.“

Auch in anderen Hotels auf Zypern, wie dem Sunrise Beach Hotel, dem Grecian Bay Hotel und dem Olympic Lagoon Resort, wird dieser Ansatz verfolgt. Die Situation ist angespannt, aber die Hotels scheinen entschlossen, die Kontrolle zu übernehmen.

App-gesteuerte sonnenliegen: technologie als waffe

App-gesteuerte sonnenliegen: technologie als waffe

Für diejenigen, die sich der Festzuweisung entziehen wollen, locken Apps wie die des Fünf-Sterne-Hotels Iberostar Selection Sabila auf Teneriffa. Hier können Gäste ihre Liege bis zu 48 Stunden im Voraus reservieren – wer seinen Platz nicht nutzt, verliert ihn. Der Check-in ist digital, die Kontrolle total.

Auch das The Sea Hotel by Grupotel in Can Picafort auf Mallorca setzt auf diese Methode. Eine Gebühr von 15 Euro pro Tag für zwei Liegen und einen Sonnenschirm ist üblich. Eine klare Trennung zwischen reserviert und ungenutzt – und ein klares Signal an die Gäste.

Konsequenzen: liegen werden geräumt

Konsequenzen: liegen werden geräumt

Auf Ibiza, im 4-Sterne-Hotel Amàre Beach, gehen die Dinge noch weiter. Unbenutzte Liegen werden innerhalb von nur 30 Minuten geräumt. Ein klares Zeichen, dass neben der Reservierung auch die Nutzung erwartet wird. Ähnliches gilt für das P&O Cruises Schiff – dort werden verlassene Liegen mit Klebstoff markiert und nach 40 Minuten entfernt.

Die Entwicklung ist bemerkenswert. Lisa Henning von Inspire rechnet damit, dass reservierbare Sonnenliegen bald so selbstverständlich sind wie Sitzplatzwahl im Flugzeug. Ein Trend, der sich rasant weiterentwickelt – und der die Urlaubsplanung für viele Gäste verändern wird.