Schmidt: politik als schlagertheaters – ein spiegelbild der zerstörung
Helmut Schmidt schlägt die Planken, und es ist kein Märchen. Der ehemalige Bundeskanzler schimpft in einem Spiegel-Interview über den Zustand der Politik, bezeichnet sie als einen ‘Kampfsport’ und beklagt, dass er ‘angegriffen und herabgewürdigt’ wurde wie kaum ein anderer vor ihm. Ein zutiefst beunruhigendes Bild.
Die schatten der vergangenheit
Schmidt erinnert an die unbarmherzige Kampagne gegen Willy Brandt, an die Ruferei der ‘unehelich geboren’ – eine abscheuliche, unverdächtige Taktik. Auch Kohl musste jahrelang mit dem Etikett ‘Birne’ leben, ein schmerzhafter Prozess der Demütigung. Niemand zuvor hat so vieles durchstehen müssen, so offen ausgegrenzt.
Es ist – und das ist entscheidend – keine nostalgische Klage. Schmidt trifft die Wahrheit mit einer scharfen, fast schon zynischen Präzision. Er beobachtet die gegenwärtige politische Landschaft mit einem Blick, der weit über bloße Parteipolitik hinausgeht. Er sieht ein System, das sich selbst in einem Teufelskreis der verbalen Angriffe und Diffamierungen befindet.

Sprachliche tricks und “sondervermögen”
Die BILD-Kolumne von Martenstein, ‘Ich bin gerne umstritten’, bietet eine willkommene Abwechslung. Er betont die Meinungsfreiheit, verweist auf die obsessiven Klageverfahren gegen vermeintliche Beleidigungen – eine Strategie, die völlig aus dem Ruder läuft. Die Bezeichnung ‘Birne’ als Verstoß gegen die Meinungsfreiheit ist ein Paradebeispiel für diese Entwicklung.
Schmidt schüttelt den Kopf über die gängigen Strategien: Die ‘Megamonsterschulden’ als ‘Sondervermögen’ getarnt, Mieterhöhungen als ‘Mietzinspolitur’ bezeichnet, der Benzinpreis als ‘glatt geschliffener’ Betrug. Es ist eine gezielte Manipulation der öffentlichen Meinung, eine Form der Desinformation, die kaum zu übersehen ist. Und wer erinnert sich an die Klagen, die diese Generationen von Kanzlerkritikern ertragen mussten?

Ein zyniker mit recht
Der Mann ist ein Zyniker, ja, aber ein Zyniker mit einem unverkennbaren Gerechtigkeitssinn. Er sieht die Mechanismen der Macht, die zur Manipulation und zur Herabwürdigung eingesetzt werden. Seine Worte sind eine Warnung, eine Aufforderung zur Wachsamkeit. Es ist eine erschreckende Erkenntnis: Die politische Arena hat sich zu einem Schlagertheater der Zerstörung entwickelt – und niemand scheint es zu bemerken.
