Lustrinelli – vom schweizer meister in die berliner hektik

Mauro Lustrinelli, der überraschende Schweizer Meistertrainer des FC Thun, hat die saloppe Idylle des Berner Oberlandes gegen die pulsierende Energie Berlins eingestrichen. Ein radikaler Wechsel, der mehr Fragen als Antworten aufwirft.

Ein leben am see – ein schlag ins gesicht

Tausende Kilometer entfernt von der Alten Försterei, in Stockhorn, wo die Berge majestätisch über der Arena wachen, lebte Lustrinelli bislang ein Leben fernab des Fußball-Hypes. Eine beschauliche Existenz, die nun durch das plötzliche Scheitern der Schweizer Meisterschaft und den damit verbundenen medialen Druck unterbrochen wird.

Ungewöhnliche trainingsbedingungen

Ungewöhnliche trainingsbedingungen

Die Bedingungen in Thun sind alles andere als Bundesliga-Standard. Ein Trainingszentrum vergleichbar mit dem deutscher Top-Clubs existiert im bescheidenen 44.000-Einwohner-Städtchen nicht. Stattdessen wird auf dem Rasen der Stadiontribüne trainiert – dank Kunstrasen eine willkommene Abwechslung. Die Profis haben keinen separaten Platz, was für intensive Anpassungen sorgen dürfte.

Trikote von hand bestickt – ein relikt aus vergangenen zeiten

Trikote von hand bestickt – ein relikt aus vergangenen zeiten

Kurioser Weise musste der Verein lange Zeit die Trikots selbst zu beflocken. Die Druckpresse für die Logos befindet sich in den Stadionkatakomben. Als Zweitligist verbrachte man Stunden damit, Spieler-Namen und Nummern, Sponsorenlogos und Liga-Logos von Hand aufzutragen. Heutzutage werden die Hemden bereits vorbehandelt angeliefert – ein kleiner Fortschritt in der sonst so stillen Region.

Fan-support? fehlanzeige

Fan-support? fehlanzeige

Ein Fan-Shop in der Innenstadt, der von den Fans so ersehnt wurde, ist bislang nur ein unrealisiertes Projekt. „Ein solcher Shop würde erhebliche finanzielle Belastungen und zusätzliche Personalkräfte erfordern“, erklärt Linus Veethak, Leiter des Fan-Shops. „Wir sind Schweizer Meister, aber immer noch der FC Thun.“

Talente fördern – ein ruhiger hype

Talente fördern – ein ruhiger hype

Lustrinelli soll junge Talente wie Linus Güther gezielt fördern und zu vollwertigen Profi-Spielern entwickeln. In Steffisburg, nur 15 Minuten vom Stadion entfernt, genoss er einst ein vergleichsweise unbeschwertes Leben. Doch die Umstellung auf Berlin verspricht alles andere als eine einfache Übergangsphase. Es wird ein ganz anderer Spielball.

Ein blick in die zukunft

Ein blick in die zukunft

Die Folgen des Hypes, der sich um den FC Thun rankt, sind noch offen. Während in deutschen Städten Ultras ihre Vereine mit Graffitis markieren, ist in Thun wenig vom Meister-Klub zu sehen. Lustrinellis Ansatz, junge Spieler zu formen und ihnen eine Perspektive zu bieten, scheint jedoch eine solide Basis zu sein. Ob dieser Weg in Berlin erfolgreich sein wird, bleibt abzuwarten – eine Frage, die sich die Fans der Hertha BSC stellen müssen.