Lesen als luxus: warum bücher glücklicher machen als netflix

Lübeck – Eine Sommerlektüre, die mehr ist als nur Unterhaltung: Die Autorin Meike Winnemuth hat mit ihrem neuen Buch „Eine Seite noch. Warum Lesen uns so glücklich macht“ eine überraschende These aufgestellt. Sie behauptet: Lesen macht uns glücklicher als Streaming-Dienste.

Eine persönliche reise durch literatur und leben

Die Journalistin verbrachte einen Sommer damit, 50 Bücher, 20 Hörbücher und Kurzgeschichten zu lesen. Diese intensive Auseinandersetzung mit Literatur führte zu einer tiefgreifenden Erkenntnis: Bücher sind nicht nur eine Quelle des Wissens, sondern auch eine wichtige Quelle des Glücks.

Winnemuth, bekannt für ihre ungewöhnlichen Selbstversuche – sie trug beispielsweise ein Jahr lang das gleiche blaue Kleid – betrachtet das Lesen als eine willkommene Auszeit vom Alltag. „Lesen ist eine kleine Luxusauszeit vom Leben, in der man sich zurückziehen und egoistisch sein kann“, erklärt sie. Sie betont die Vielfalt der Interpretationen, die jedes Buch zulässt. „Jeder liest mit anderen Erfahrungen, Erwartungen, Assoziationen. Zum selben Buch gibt es 10.000 verschiedene Lesarten.“

Diese Erfahrung erinnert sie an Reisen: „Ich sammle Erlebnisse, Erfahrungen, Ausflüge, die ich im wahren Leben nicht machen könnte.“ Sie kann sich in das Leben einer Person in Osttimor versetzen oder die Welt aus der Sicht einer japanischen Hofdame im Jahr 1000 Christus betrachten – und das alles ohne den Schreibtisch verlassen zu müssen.

Mehr als nur unterhaltung: anker im informationsdschungel

Mehr als nur unterhaltung: anker im informationsdschungel

Winnemuth unterstreicht die Bedeutung von Büchern als Anker in einer Zeit des Informationsüberflusses. „Bücher sind Anker und halten einen bei dem täglichen Nachrichtenwahnsinn bei Verstand.“ Ihr Buch ist eine Liebeserklärung an die Literatur und eine Aufforderung, das Lesen wieder wertzuschätzen.

Die Autorin betont, dass es keinen Stress und Verpflichtungen geben durfte, sondern dass das Lesen Vergnügen bleiben sollte. Selbst das Vergessen von Details sei normal. „Ich glaube aus jedem Buch bleiben Schwebeteilchen übrig, die sich an irgendeine Hirnzelle andocken und ein Gefühl hinterlassen. Das reicht voll und ganz.“

Ihren Gewinn von 500.000 Euro bei „Wer wird Millionär“ hat Winnemuth erfolgreich angelegt. Als nächstes steht für sie „Einstein im Bade“ von Daniel Mellem auf dem Leseprogramm. Und so geht die Reise weiter: Eine Seite noch.

Die Bestsellerautorin gibt einen weiteren Tipp: Gartenarbeit sollte nicht mit dem Gefühl des „Müssen“ verbunden sein. „Man muss gar nichts. Man muss nichts gelesen haben, man darf Seiten überspringen. Lesen sollte Vergnügen bleiben, ohne Stress und Verpflichtungen.“

Ihre 700 Bücher in der Lübecker Wohnung sind ein ständiger Begleiter. Sie verschenkt gelesene Bücher oder stellt sie in öffentliche Bücherschränke. Eine kleine Geste, die die Freude am Lesen weiter verbreitet.

Winnemuths Beobachtung ist mehr als eine persönliche Präferenz. Sie spiegelt ein tiefgreifendes Bedürfnis wider: In einer Welt, die von schnellen Reizen und ständiger Ablenkung geprägt ist, bieten Bücher einen Raum für Kontemplation und Selbstfindung. Und das, so die Autorin, ist ein Luxus, den wir uns gönnen sollten.

Sie selbst hat festgestellt, dass Lesen einen Moment der Ruhe bietet, eine Pause vom digitalen Trubel. Und das ist in einer Zeit, in der wir ständig online sind, mehr wert als je zuvor.

Das Buch „Eine Seite noch. Warum Lesen uns so glücklich macht“ ist ab dem 18. März bei Penguin Random House erhältlich. Eine Investition in das eigene Wohlbefinden, die sich auszahlt.

Winnemuths Erkenntnis ist mehr als eine persönliche Beobachtung: Sie ist ein Appell, das Lesen neu zu entdecken – als eine Quelle des Glücks, der Inspiration und der inneren Ruhe.