Flugbegleiter 'mermaids': der heimliche code an bord

Flugpassagiere, die sich mit ihren Beinen ausbreiten und mehr Sitzplätze beanspruchen, werden von Crewmitgliedern als ‘Mermaids’ bezeichnet – nicht nach dem Märchenwesen, sondern nach den Passagieren, die mehr Platz benötigen. Ein skurriles Phänomen, das die interne Kommunikation an Bord der Flugzeuge prägt.

Die ‘mermaids’ – ein passiver widerstand?

Laut Berichten, darunter auch aus dem ‘Travel+Leisure’ Magazin, beschreibt der US-Pilot Kolin Jones diese Verhaltensweise als “Beine breit machen” oder “sich über mehrere Sitze ausbreiten”. ‘Forbes’ nennt den Spitznamen ‘Mermaid’ als einen passiv-aggressiven Hinweis darauf, dass Passagiere andere daran hindern, sich in ihren Reihen zu setzen, insbesondere bei vollen Flügen. Es handelt sich um Teil einer etablierten, internen Sprache, die Flugbegleiter im Notfall nutzen.

Die Crew muss in der Lage sein, Missverständnisse zu vermeiden und die Situation zu entschärfen, ohne unnötige Spannungen zu erzeugen. Deshalb greifen sie auf Codes und Fachbegriffe zurück – für harmlose Abläufe ebenso wie für heikle Situationen. Die Bandbreite reicht von harmlosen Vorgehensweisen bis hin zu ernsthaften Problemen.

Von ‘hugo’ bis notfallcode

Von ‘hugo’ bis notfallcode

Neben dem Spitznamen ‘Mermaid’ existieren feste Bezeichnungen für kritische Fälle. Verstorbene Passagiere werden beispielsweise als ‘Hugo’ oder ‘HR’ (human remains) bezeichnet. Auch der Name ‘Jim Wilson’ wird gelegentlich verwendet. Im Cockpit sind die Codes jedoch streng geregelt. So informieren vierstellige Transpondercodes die Flugsicherung über Notfälle – wie Berufspilot Patrick Biedenkapp erklärt, über seine Erfahrungen im Blog ‘TRAVELBOOK’. Ein Transpondercode, auch ‘Squak’ genannt, wird jedem Flugzeug bei der Radarfreigabe zugewiesen. 7500 signalisiert eine Entführung, 7600 einen ausgefallenen Funk und 7700 einen allgemeinen Notfall. Diese Codes sind international standardisiert und weltweit bekannt.

Die internen Begriffe offenbaren, dass die Kommunikation an Bord der Flugzeuge ihren eigenen Regeln folgt – mal pragmatisch, mal diskret, manchmal auch mit einem Augenzwinkern. Es ist eine subtile Form des Zusammenlebens unter extremen Bedingungen. Eine deutsche Flugbegleiterin räumt ein, dass sie nie feste Codes für Attraktivität genutzt hat. Gespräche darüber finden eher abseits der Bordküche statt – oder werden durch Blicke und Gesten ausgetauscht. Die Situation ist komplex, und die ‘Mermaids’ sind nur ein kleiner Teil eines viel größeren Systems der Kommunikation.

Fazit: Die ‘Mermaids’ sind ein faszinierendes Beispiel dafür, wie sich in der Welt der Luftfahrt eine eigene Sprache entwickelt hat – ein stiller Widerstand gegen die engen Verhältnisse und die ständige Suche nach Platz.