Das jahrhundertspiel: 40 jahre nach dem schock in krefeld – eine bittere erinnerung für dresden
Krefeld/Dresden – Ein Spiel, das bis heute nichts von seiner Brisanz verloren hat: Am 19. März 1986 ereignete sich in der Grotenburg-Kampfbahn ein Fußball-Desaster, das die DDR-Republik für Jahrzehnte prägen sollte. Bayer Uerdingen besiegte Dynamo Dresden im Europapokal der Pokalsieger mit 7:3 – ein Ergebnis, das bis heute für viele Dresdner ein Trauma darstellt. 40 Jahre sind vergangen, doch die Erinnerung an diesen Tag ist noch immer lebendig.
Das Hinspiel in Dresden endete mit 2:0 für die Gäste. Doch was dann geschah, sprengte alle Erwartungen. Dresden führte zur Halbzeit sogar mit 3:1, doch in der zweiten Hälfte brach das Team zusammen. Sechs Tore in 28 Minuten – ein unfassbarer Turnaround, der die Fußballwelt schockierte.

Die katastrophe von krefeld: ein spiel, das die geschichte schrieb
„Keiner hat zur Pause geglaubt, dass wir die Wende schaffen können“, erinnert sich Kalli Feldkamp (91), der damalige Trainer von Bayer Uerdingen. Doch die Wende kam in Form eines dramatischen Zusammenbruchs. Der ungarische Schiedsrichter Nemeth pfiff in der zweiten Halbzeit äußerst umstritten, gab zwei strittige Elfmeter für Uerdingen. Zudem verletzte sich der Dynamo-Torwart Bernd Jakubowski schwer und musste durch den Ersatzkeeper Jens Ramme ersetzt werden. Ramme wurde zum Sündenbock erklärt.
„Unser Torhüter wurde schwer verletzt, wir hatten dann einen jungen, unerfahrenen drin. Und der Schiri ist in der zweiten Halbzeit komplett gekippt“, so Ulf Kirsten (60), der damals für Dresden traf. Ramme erlitt die Konsequenzen am bittersten. Er wurde angefeindet, erhielt Morddrohungen und seine Karriere geriet unterbrochen. „Überall wurde ich angepöbelt. An der Tanke, in der Kaufhalle. Sogar Morddrohungen lagen im Briefkasten. Das war nicht lustig.“
Frank Lippmann (64), der für Dresden traf, floh nach dem Spiel aus dem Hotel. „Die Verletzung von Jaku war definitiv ein Grund für unser Aus. Er schrie in der Kabine vor Schmerzen. Da stand einigen der Angstschweiß auf der Stirn.“ Lippmann selbst will von dem traumatischen Ereignis nichts mehr wissen. „Ich bin nicht stolz darauf, abgehauen zu sein. Viel mehr will ich nach so vielen Jahren nicht mehr dazu sagen. Da kann man einen Punkt dahintersetzen.“
Das Jubiläum in Uerdingen wird mit einer großen Festveranstaltung gefeiert. Doch für die ehemaligen Dynamo-Spieler ist es eher ein Tag, den sie am liebsten vergessen würden. Der Schock von Krefeld bleibt ein Mahnmal für die Verletzlichkeit des Fußballs und die Macht der Emotionen.
Jens Ramme, heute 62, spricht heute noch über die Ereignisse von 1986. Die damalige Niederlage war nicht nur ein sportlicher Desaster, sondern ein traumatisches Erlebnis, das ihn und sein Team für immer prägen sollte. Es ist eine bittere Erinnerung, die auch heute noch hochgehalten wird.